Sachtextanalyse Beispiel und Aufbau

Hier findest du den Sachtextanalyse Aufbau erklĂ€rt und mit 3 Beispielen verdeutlicht. FĂŒr meine Klassenarbeit nach diesem Muster habe ich damals eine 2+ bekommen.


Tipp: Die Einleitung immer erst am Schluss vom Sachtextanalyse Aufbau  schreiben und vor die Ausarbeitung heften.

Sachtextanalyse Aufbau:

Einleitung:

  • Vorlage aufmerksam lesen
  • wichtige Aussagen unterstreichen, unbekannte Begriffe klĂ€ren, bibliographische Daten (Autor, Erscheinungsjahr, Erscheinungskontext) erfassen

1.  Erfassung der Ă€ußeren und inneren Struktur

1.1  Äußere Struktur im Sachtextanalyse Aufbau

  • in wie viele Kapitel ist dieser unterteilt? (nur bei umfangreicheren Sorten)
  •  in wie viele formale Abschnitte ist er unterteilt?


  • Welche Besonderheiten weist die Quelle in Bezug auf sein Layout auf? (z.B. GrĂ¶ĂŸe der Überschrift, kursiv gedruckte Worte, farbig unterlegte Textpassagen, VerhĂ€ltnis Bild-Text, HĂ€ufung von Satzzeichen…)

1.2 Innere Struktur

  • in wie viele Sinnabschnitte lĂ€sst sich die Vorlage unterteilen? (Unterteilung mit Zeilenangabe)
  • Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte je Sinnabschnitt (wird fĂŒr die spĂ€tere Inhaltsangabe benötigt)
  • hilfreich fĂŒr die Erfassung der Intention: Sprachhandlungen des Autors benennen. Z.b. fĂŒhrt er den Leser durch ein kurzes Alltagsbeispiel in die Thematik ein (wird fĂŒr die Darstellung der Analyse benötigt).

2.  Untersuchung der sprachlichen Gestaltung im Sachtext

2.1  Semantische Gestaltungsmittel /Wortwahl

  • welche Wörter werden wie benutzt (Substantive, Adjektive, Verben);
  • welchem Sprachbereich sind sie entnommen (Umgangssprache, Fachsprache, Hochsprache);
  • Sprachdynamik: Worte mit einem bestimmten( Bei)-Klang erzeugen eine spezifische Dynamik: z.B. sich brechende, donnernde Wellen vs. leises PlĂ€tschern des Brunnens
  • Haltung: sachlich-beschreibend, subjektiv-wertend, platt – polemisch etc.
  • Stilmittel:  s. Übersicht (z.B. Metaphern, Personifikationen, Vergleiche…) Alle findest du hier.

2.2  Syntaktische Gestaltungsmittel/Satzarten/Satzbau

  • Welche Satzarten werden hĂ€ufig verwendet? Durch welche Form des Satzbaus ist dieser bestimmt? ( Parataxe/Hypotaxe?)
  • Stilmittel  s. Übersicht  (z.B. Parallelismen, Reihungen, Inversionen…)

2.3  Phonetische Gestaltungsmittel/ Klangbild im Sachtextanalyse Aufbau

  • Gestaltungsmittel s. Übersicht  (z.B. Alliterationen, Anaphern, Binnenreime…)

 3.  ZusammenfĂŒhrung aller Ergebnisse aus der Sachtextanalyse zu einer abschließenden Beurteilung (ggf. Interpretation)

  • Bestimmung der Textsorte
  •  Adressaten
  •  Intention des Verfassers
  • In welchem VerhĂ€ltnis stehen Inhalt und Sprache zueinander? Durch welche sprachlichen Mittel versucht der Autor seine Intention zu vermitteln?
  • Inwieweit ist dies dem Interpreten gelungen?
  • Inwieweit ist seine Vorgehensweise legitim?

4.  Zusammenfassung der Sachtextanalyse im folgenden Aufbau:

1.  Einleitung

  • Bestimmung der Textart
  • Entstehungs-/Erscheinungskontext
  • Name des Verfassers
  • kurze Skizzierung der zentralen Thematik
  • Vorstellung der weiteren Vorgehensweise

2.  Analyse der formalen und inhaltlichen Gestaltung

2.1  Beschreibung der formalen Gestaltung (s. Vorarbeiten)

2.2 Vorstellung des Inhalts in seinen wesentlichen Aussagen entlang der erarbeiteten Abschnitte (bei der Textvorstellung Beachtung des Konjunktivs)

2.3 Beschreibung der inhaltlichen Gestaltung (Wie wird dieser durch den Interpreten  transportiert. Z.B.  fĂŒhrt er den Leser in die Thematik ein, indem er  die zentrale Problematik an einem Alltagsbeispiel verdeutlicht. Dann Herstellung eines Bezuges ĂŒber direktes oder indirektes Zitat mit Zeilenangabe) s. Sinnabschnitte

3.   Betrachtung der spr. Gestaltung in ihrer Funktion fĂŒr die Intention des Schreibers. Warum verwendet er welche Stilmittel?

4.   Abschließende Beurteilung

5.   Schlussbetrachtung/ Stellungnahme  (je nach Aufgabenstellung)

Sachtextanalyse Beispiel Scharfes Handy:

Als Sachtextanalyse Beispiel findest du hier das Werk Scharfes Handy von dem bekannten Autor Harald Martensteins , welches du hier findest.

  • selbstĂ€ndige Strukturierung der Aufgabenstellung :Einleitung , Untersuchung  der inhaltlichen und sprachlichen Gestaltung, Stellungnahme aus fachlich-beruflicher Perspektive
  • Einleitung zum Sachtextanalyse Beispiel : benennen der bibliographischen Daten, ggf. Informationen zum Verfasser, bestimmen die Sorte als Glosse, stellen kurz den zentralen Inhalt dar: heiter-kritische Auseinandersetzung mit den KonsumwĂŒnschen von Kindern und Jugendlichen sowie der schon fast absurden ÜberfunktionalitĂ€t moderner Kommunikationsmittel.
  • Analyse der inhaltlichen Gestaltung: vier große Sinnabschnitte, die wie folgt inhaltlich und bezogen auf die Sprachhandlungen des Schreibers vorgestellt werden könnten:
  • Z.1-24: EinfĂŒhrung in die zentrale Thematik, indem er aus persönlicher Sicht den Konflikt zwischen seinem Kind und ihm als Vater um ein gewĂŒnschtes Handy darstellt.
  • Z.25-38: Schilderung einer Schulhofszene, veranschaulicht die Bedeutung und Funktion von Handys fĂŒr Kinder und Jugendliche: Statussymbole innerhalb der Peer-Group und weniger Kommunikationsmedium
  • Z. 39-52: AnknĂŒpfung an die eingangs geschilderte Szene. Das Kind erhĂ€lt ein anderes als das gewĂŒnschte Handy und drĂŒckt seine EnttĂ€uschung darĂŒber, aber auch seine Sorge aus, nun in seinem Freundeskreis nicht mehr anerkannt zu werden.
  • Z. 53-64: inhaltlicher Bruch, keine WeiterfĂŒhrung des Eltern-Kind-Konflikts, Autor erzĂ€hlt von einem Journalistenkollegen, der in Bezug auf  Handys einen neuen Trend verdeutlicht: das Nostalgie-Handy, welches sich in Aussehen und Funktion völlig von den anderen unterscheidet, jedoch auch deutlich macht, wie sehr KonsumwĂŒnsche einem gesellschaftlichen Trend unterliegen.
  • Analyse der sprachlichen Gestaltung im Sachtextanalyse  Beispiel: Darstellung der sprachlichen Mittel und ErlĂ€uterung ihrer Funktion fĂŒr die zentrale Textaussage.
  •  durchgĂ€ngig Ironie, Diskrepanz zwischen Inhalt und Sprache: Die Verhandlungen zwischen Vater und Sohn um eine modernes Konsumgut wie auch der alltĂ€gliche Konflikt werden in einer  altmodischen, fast biblisch anmutenden Sprache gefĂŒhrt, die ZĂŒge des Stilmittels der Hyperbel aufweisen (z.B. Z.13-20, Z.41-52)
  •  daneben völlig absurde Funktionsbeschreibungen, Vergleiche, Personifikationen, die die Irritation des Autors ĂŒber die „schöne neue“ Welt der Kommunikationsmedien mit ihrer schon oft absurden ÜberfunktionalitĂ€t verdeutlicht und den Leser auf unterhaltsame Art und Weise zu einer kritischen Distanz auffordert.
  • Stellungnahme: Ansatzpunkte: Problematik Kind und Konsum

 Sachtextanalyse Beispiel Urlaub auf der Intensivstation:

Einleitung der Sachtextanalyse:

Ferienzeit, Reisezeit – doch wohin, wenn nur ein paar Tage zur VerfĂŒgung stehen? Einblick in eine, inzwischen sehr beliebte Form des Kurzurlaubs bietet Wolfgang Röhls Sternartikel „Urlaub auf der Intensivstation“ vom 13.07.1995, der uns als Textauszug vorliegt. Im Mittelpunkt steht das Konzept des MarktfĂŒhrers Center Parcs, welches durch eine Beschreibung des Besuchs im Ferienpark De Vossemeren exemplarisch vorgestellt wird und dabei jedoch alles andere als motivierend auf den potentiellen Kurzurlauber wirken will.Bleibt zu untersuchen, wie es dem Autor gelingt, genau diese Wirkung auf seine Leser zu entfalten.

1. Erfassung der Ă€ußeren und inneren Struktur im Sachtextanalyse Beispiel

Äußerlich weist der Text kaum Besonderheiten auf. Den drei ungleich lang gehaltenen Spalten ist eine Überschrift vorangestellt, die allenfalls durch Ihre Großbuchstaben ins Auge fĂ€llt. Die Spalten sind nochmals in drei formale Abschnitte untergliedert. Im Textverlauf wird der Leser sicherlich auch auf einige gesperrt gedruckte oder in AnfĂŒhrungszeichen gestellte Begriffe aufmerksam. Doch bleibt die Textaufmachung insgesamt eher unauffĂ€llig.

Die innere Struktur lÀsst sich in vier Sinnabschnitte untergliedern, die einen klaren gedanklichen Aufbau erkennen lassen.

Inhaltlich lÀsst sich das Sachtextanalyse Beispiel wie folgt zusammenfassen:
Im Mittelpunkt des Textes steht das in den Augen des Autors fragwĂŒrdige VergnĂŒgen eines Kurzurlaubs in einem Center Parc. Am Beispiel eines Center Parcs  im belgischen De Vossemeren gibt der Autor Einblick in das Ferienparkkonzept dieses europĂ€ischen MarktfĂŒhrers. Hierbei stellt er auch die vielfĂ€ltigen Freizeitmöglichkeiten sowie die Kernzielgruppen von Center Parc –Besuchern vor.

Von Zeile 1 bis 13 ist eine Einleitung erkennbar. Dabei wĂ€hlt der Verfasser einen unvermittelten Einstieg ĂŒber die kurze Beschreibung eines Gottesdienstes im Ferienpark De Vossemeren, den er als „schnörkellos“ charakterisiert, um – so suggeriert seine Kommentierung – nicht unnötig Zeit zu verplempern, denn „jede Menge Spaß harrt der Aufarbeitung.“ Von Zeile 14 bis 53 schließt sich eine Vorstellung des Ferienparkkonzepts Center Parcs an, in welcher Röhl die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten aufzĂ€hlt und auch ĂŒber die wirtschaftliche Position der Firma Center Parcs auf dem Tourismusmarkt informiert. Eine Differenzierung erfĂ€hrt diese Vorstellung noch in den Zeilen 54 – 70.

Hier gibt der Autor einen Überblick ĂŒber die Infrastruktur und Umgebung des Ferienparks DeVossemeren, welche von ihm als „tellerflaches, attraktionsarmes Flandernland beschrieben wird, das kaum dazu verlocke, „das stacheldrahtumzĂ€unte Lager“ zu verlassen. Von Zeile 71 bis zum Textende geht Röhl abschließend auf die Kernzielgruppen des Center Parcs ein und schildert nicht ohne HĂ€me deren Urlaubsalltag. So „kreischen“ die Kinder „zwischengelagert“ im „Spaßbad“, wĂ€hrend „Vati irgend etwas spielt“ und „Mutti Shopping macht“. Anders die junge Familie mit mittlerem Einkommen die von Röhl ausgemachte Kernzielgruppe  Zwei – von ihm als „trinksportliche Singles“ bezeichnet- die den Ferienpark heimsuchten, um „allerlei SĂ€ue rauszulassen“.

2. Analyse der sprachlichen Gestaltung im Sachtextanalyse Beispiel:

Erkennbar ist zunĂ€chst die flĂŒssige, gut verstĂ€ndliche Schreibweise, welche durch den wechselnden Gebrauch von parataktischen und hypotaktischen Satzkonstruktionen bestimmt ist. AuffĂ€llig dabei, die hĂ€ufigen AussagesĂ€tze, die dem Leser suggerieren, dass Röhls Beschreibung den Tatsachen entspricht. Dabei kommt es zu einer Vermischung der Sprachebenen. Die Hochsprache dient meist der reinen Information, erkennbar in Begriffen und SĂ€tzen wie z.B. in Z.37ff.: „ Wer einen der 13 europĂ€ischen Center Parcs bucht…“.
Bei der Verwendung von Fachsprache pickt sich Röhl jedoch genau die BegriffskuriositĂ€ten der Tourismusbranche heraus, die besonders absurd erscheinen, z.B. Z.36/37 „wetterunabhĂ€ngiger Kurzurlaub“ oder Z. „innenorientiertes Ferienzentrum“. Hierdurch erhĂ€lt die zunĂ€chst objektiv wirkende Fachsprache eine negative Konnotation.Einen Ă€hnlichen Effekt erzielt er ĂŒber die Verwendung zahlreicher Antithesen, die sich im gesamten Textverlauf wiederfinden. Schon die Überschrift lĂ€sst den Leser stutzig werden: „Urlaub auf der Intensivstation“ ?! Schnell wird jedoch klar, dass hier eine Übertragungsleistung vom Leser gefordert ist, welcher sich in der Sache auf den vermeintlichen Freizeitstress des Center-Parcs-Urlaubers bezieht.

Die ZusammenfĂŒgung sich widersprechender Begriffe und Bilder setzt sich fort.So in Z. 11 ff. „hart jede Menge Erlebnisspaß der Aufarbeitung“ , in Z. 51/52 wird man „nicht von Spaßmachern drangsaliert“ oder in Z. 52/53 ist man „frei wie ein Fisch im Aquarium“. Eine VerschĂ€rfung dieser negativen Konnotation finden wir in der sarkastischer Metapher in Zeile 61ff.: „ Die Insassen dĂŒrfen das stacheldrahtumzĂ€unte Lager sogar verlassen.“Und auch in der spöttisch gehaltenen Beschreibung der Zielgruppen und deren Freizeitgestaltung in einem solchen Ferienpark  spiegelt sich seine beißende Kritik an dieser Urlaubsform wider. (s. Analyse der inneren Struktur).

Auffallend hier die deutliche Verwendung der Umgangssprache, die in ironischem Bezug zu den angesprochenen Zielgruppen steht. Bezogen auf die Wortwahl fÀllt insbesondere die scheinbar endlose Reihung bewegungsintensiver Verben in den Zeilen 20 bis 27 auf. Auch hier geht es erneut darum, Informationen zu ironisieren. Die durch diese Reihung erzeugte inhaltliche Dynamik kann nur abschreckend wirken und stellt den Erholungswert eines solchen Kurzurlaubes deutlich in Frage.

3.  Schlussbetrachtung mit Stellungnahme in der Sachtextanalyse

So ist abschließend festzustellen, dass es ihm gelungen ist, Inhalt und Sprache zu einer unterhaltsamen Text zu verarbeiten, der sich aufgrund seiner Merkmale der Textsorte ‚Glosse’ zuordnen lĂ€sst. Hier werden mit Spott und sprachlicher Finesse TagesaktualitĂ€ten beleuchtet. Doch ist der er von seiner Schreihaltung her nicht allein Ă€sthetisch-kreativ, sondern hat sicherlich auch erhebliche argumentierende Anteile, wie wir sie in einer Kritik oder einem Kommentar wiederfinden.

Seine  Taktik scheint aufzugehen. AmĂŒsiert lehnt sich der Leser zurĂŒck und distanziert sich gleichsam von dieser UrlaubsvergnĂŒgungsindustrie, die doch nur scheinbar allen WĂŒnschen gerecht wird und dabei aus dem Auge verliert, dass WĂŒnsche nicht durchgehend mit BedĂŒrfnissen gleichzusetzen sind.Auch erscheint es mir fragwĂŒrdig, wenn Familien mit Kindern diese vorgefertigte Urlaubswelt aufsuchen, um dort Erholung und Entspannung zu finden.

Bei aller gebotenen IndividualitĂ€t wird den Kindern eine durch und durch kommerzialisiertes Freizeitgestaltung vorgelebt, die ihnen möglicherweise den Blick dafĂŒr verstellt, dass Erlebnisse und Lebensfreude nicht an erkaufte Angebote gebunden sein mĂŒssen, dass es auch Freizeitmöglichkeiten gibt, die weniger kostenintensiv sind.Die Freude erwĂ€chst zunĂ€chst einmal aus dem Tun und nicht aus dem Bekommen.

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