Gedichtanalyse Aufbau und Beispiel erklärt
Hier findest du eine Anleitung zum Aufbau deiner Gedichtanalyse, die du nur abarbeiten musst, um recht schnell eine gute Gedichtanalyse zu erstellen. Dabei werden die einzelnen Punkte ausführlich erklärt und du findest ebenfalls einige Beispiele.
Gedichtanalyse Aufbau:Â
Eine gute Gedichtanalyse gliedert sich in insgesamt 4 Teile:
- Einleitung
- Sprachliche Analyse
- Inhaltliche Analyse
- Schluss
1. Die Einleitung der Gedichtanalyse:
Der altbekannte Einleitungssatz mit Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Thema, Textart und Literaturepoche.
Tipp: Thema erstmal leer lassen und am Ende hinschreiben, so sparst du Zeit in der Prüfung
Die Punkte sind bis auf Textart alle selbsterklärend. Ein Gedicht kann in folgenden Textarten erscheinen:
Ballade: Dialog/wörtliche Rede, Verse Reimen sich, eine Handlung wirr erzählt
Sonett: 14 Zeilen, dabei 2 Strophen mit 4 und 2 Strophen mit 3 Zeilen, Thesen und Antithesen werden “diskutiert”
Ode: Irgendetwas wird sehr stark gelobt, kein durchgehendes Reimschema
Elfchen: Insgesamt 5 Zeilen mit insgesamt 11 Wörtern, folgende Verteilung Wörter auf Zeilen: 1 – 2 – 3 – 4 – 1
Haiku: Insgesamt drei Zeilen: 1 hat 5 Silben, 2 hat 7 Silben, 3 hat 5 Silben
Limerick: Fünf Zeilen, soll lustig sein, Reimschema BBccB
2. Sprachlicher Teil der Gedichtanalyse:
Aufbau vom Gedicht in X Strophen mit jeweils Y Verse
Reimschema: überall gleich? Wenn nicht jede Strophe einzeln. Es gibt folgende ( immer Ende von einem Vers):
Paarreim: A -A – B -B
Umarmender Reim: A – B – B – A
Kreuzreim: A – B – A – B
Metrum:  Durchgehende Reihenfolge von betonten und unbetonten Silben in den Versen einer Strophe, die häufigsten sind:
Jambus: + – + – + – … Betonte Silbe fängt an, immer abwechselnd
Anapäst: + + – + + – ++ -… Zwei betonte, eine unbetonte Silbe
Trochäus: – + – + – +…umgekehrter Jambus ( unbetonte beginnt)
Daktylus: – + + – + +.. umgekehrter Anapäst
Kadenz: Die letzte Silbe in jedem Vers, dabei gibt es:
männliche Kadenz: Letzte Silbe im Vers betont
weibliche Kadenz: Letzte Silbe im Vers unbetont
Anschließend musst du noch die Sprachlichen Mittel in der Gedichtanalyse nennen, beginne mit den am meisten benutzten und jedes mit Beispiel und Zeilenangabe belegen.
3. Inhaltlicher Teil der Gedichtanalyse:
Als erstes müsst ihr die Intention des Autors in 1-2 Sätzen aufschreiben ( diese dann jetzt in den Einleitungssatz einfügen) Das ist teilweise recht schwer, da man oft erst einmal überlegen muss, was genau dieser damit meint bzw. was das eigentliche Thema ist. Weiter unten geben wir euch dazu noch wichtige Tipps. Noch in 3 – 4 Sätzen in der Gedichtanalyse die Zeit beschreiben, in der es entstanden ist.
Eine Inhaltsangabe zu jeder Strophe, immer jede Aussage von Anfang bis Ende vom Gedicht direkt mit Beleg und Zeilenangabe.
Eure stärksten Hilfen beim Herausfinden, worum es eigentlich wirklich geht sind:
Zeit in der es geschrieben wurde. Beispielsweise sind sehr oft dabei:
Ungerechte Herrschaft/ Ausnutzung und Ausbeutung der Bauern/ Bevölkerung durch Adel/König ( Mittelalter etc..)
Fremdenfeindlichkeit / Rassismus
Krieg / Insbesondere  erster und zweiter Weltkrieg
Natur / Technik / Mensch
Dabei hilft es sehr die Literaturepochen zu kennen da dort meistens die Grundintention steht und etwas über den Autor und sein Leben zu wissen.
Wenn ihr wisst, worum es wirklich geht, dann interpretiert ihr alle einzelnen Verse bzw. alle Dinge die geschrieben werden in diese Richtung hin und belegt damit eure Interpretation in der Gedichtanalyse.
Tipp: Wenn das Gedicht in der Ich-Form geschrieben ist aus der Sicht einer Person, ist dies das Lyrische Ich – nicht der Autor
 4. Schluss der Gedichtanalyse:
Hier müsst ihr noch folgende Punkte schreiben:
- Noch einmal  zentrale Aussage vom Autor in 1 Satz
- Gelingt diese dem Autor gut mit dem Gedicht?
- Persönliche Meinung dazu
- Schwierigkeitsgrad einschätzen
Gedichtanalyse Beispiel:
Im Folgenden findest du ein Gedichtanalyse Beispiel nach dem zuvor beschriebenen Vorgehen. Dieses bezieht sich auf “Kirschblüten bei Nacht” von  Barthold Heinrich Brockes, welches du hier findest.
Einleitung:
Das vorliegende Werk zur Gedichtanalyse Beispiel ‘Kirschblüten bei Nacht’ entstammt der Sammlung von Barthold Heinrich Brockes, welche unter dem Titel ‘Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in physikalisch-moralischen Gedichten’ in neun Teilen zwischen 1721 und 1748 erschienen ist. Dabei gab es alle drei Jahre eine Neuauflage, dessen Absicht es war, den Menschen durch Naturbetrachtungen zur Gotteserkenntnis zu führen. Dies stellt auch die zentrale Thematik des vorliegenden Textes dar, welches sich zeitlich jedoch nicht genau datieren lässt. Der Inhalt verweist jedoch auf eine Entstehung in der Zeit der frühen Aufklärung. Im Folgenden soll über eine kurze Darstellung wesentlicher Aspekte der Aufklärungsepoche das vorliegende Werk in Form, Inhalt und Sprache auf seine epochenspezifischen Besonderheiten untersucht und interpretiert werden.
1. Überblick über den historischen, geistes- und literaturgeschichtlichen Kontext
1.1 Politische Ereignisse
Unter Aufklärung versteht man gemeinhin die Bezeichnung einer geisteswissenschaftlichen Epoche, die unter Maßgabe einer Herrschaft der Vernunft weitreichende philosophische , soziale und politische Veränderungen in Gang setzte. Diese vollzogen sich vor dem politischen Hintergrund des Absolutismus, der europaweit die tragende Herrschaftsform war so wie auch in der Zeit von unserem Gedichtanalyse Beispiel. Durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776) kam es zu einem Umbruch, der die europäischen Aufklärer ermutigte, offen Kritik gegen die herrschenden Monarchen zu äußern. Die Epoche endete in der Französischen Revolution (1789).
1.2 Grundgedanken dieser Zeit
Die oben beschriebenen Ereignisse wurden durch Denkbewegungen in Gang gesetzt. Maßgeblich hierfür war der französische Rationalismus und der englische Empirismus. Erkenntnisse, die über die Vernunft oder über Sinneserfahrungen gewonnen wurden, sollten durch die Demonstration dieser objektiven Wahrheiten zu einer Verbesserung des Menschen führen.
1.3 Literarische Besonderheiten
Diese Vernunftprinzipien wurden auf die Dichtung übertragen, die der Erziehung des Menschen dienen sollte. Aufgabe der Literatur war es zu nützen und zu ergötzen (Horaz: prodesse et delectare). Somit entwickelte sich eine didaktische Arten(z.B. Fabeln). Die Kunst wird menschlicher und damit zugänglicher, was sich auch in der schlichten, gut verständlichen Sprache dieser Zeit widerspiegelt. Die strengen Poetikvorgaben des Barock werden gebrochen. Es sollte zweifellos ein ästhetischer Genuss vermittelt werden, der von der schönen Natur ausgeht, jedoch auch tiefere Einsichten vermittelt.
2. Analyse  im Hinblick auf seine Form seine Inhalt und seine Sprache aus epochenspezifischer Sicht
2.1 Die Form
In die Zeit  fällt die Entstehung des vorliegenden Schreibens. Die Form lehnt sich noch erkennbar an die barocktypische Form des Sonett an (4 Strophen; zwei längere und zwei kürzere Strophen) durchbricht jedoch deren strenge Vorgaben. So sind die 4 Strophen von unterschiedlicher Länge. Während die erste Strophe noch vierzehn Verszeilen umfasst, weist die dritte nur noch sieben Verszeilen auf. Die Strophen 3 und 4 nur noch vier Verszeilen. Auffallend auch das uneinheitliche Druckbild. So gehen die Zeilen 4,9,12,20,23 und 29 erheblich über die Enden der anderen Strophen hinaus. In der Abkehr von den strengen Vorgaben des Barock erweist sich dieses Werk schon von seiner Form her als Zeugnis der frühen Aufklärung.
2.2 der Inhalt im Gedichtanalyse Beispiel
Schon die Überschrift deutet auf das zentrale Thema hin. Im Mittelpunkt steht die kontrastive Gegenüberstellung von weißen Kirschblüten und der schwarzen Nacht. So beginnt die erste Strophe mit einer Naturbetrachtung: ein blühender Kirschbaum bei Nacht im Mondenschein. Das lyrische Ich trägt seine Begeisterung vor:Z.4 „Ich glaubt es könnt nichts von größerer Weiße sein. Darauf folgt eine Steigerung dieses Eindrucks durch weitere Naturvergleiche:Z.5 mit dem Schnee oder in Z. 9 mit einem Schwan.
In der zweiten Strophe richtet das lyrische Ich seinen Blick in den Himmel, um dort eine verblüffende Entdeckung zu machen: Hier begegnet ihm ein noch weißeres Weiß:Z.19/20 „Und ward noch einen weißern Schein, der tausendmal so weiß und tauendmal so klar.“ Die darin enthaltene Hyperbel betont die Außergewöhnlichkeit dieser Impression, die in der dritten Strophe ihre Fortsetzung findet: Z.22ff. „Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein bei diesem weißen Glanz…“Ein heller Stern strahlt in Gesicht und Seele und führt das lyrische Ich zu der zentralen Erkenntnis, die in der vierten Strophe beschrieben wird: Wie sehr ich mich auch an Gottes Schöpfung auf Erden erfreue, die himmlische ist umso großartiger.
Hier geht die Naturlyrik von einer genauen Betrachtung aus. Sie ist geradezu naturwissenschaftlich reflektiert. Hier lassen sich deutliche Bezüge zu der grundlegenden Denkbewegung der Zeit, dem Empirismuns, herstellen.
Dabei wird ein sinnesphysiologisches Phänomen aufgegriffen: Ein Gegenstand erscheint umso heller, je dunkler seine Umgebung ist. Die Kirschblüten im Mondlicht werden zunächst als der Inbegriff des Weißen wahrgenommen, dieser Eindruck verkehrt sich jedoch beim Anblick des hellen Sterns. Dieses Phänomen wird nun auf den Unterschied zwischen irdischer und himmlischer Schönheit übertragen.
Aus der Beobachtung ergibt sich die Gotteserkenntnis des lyrischen Ichs und spiegelt die natürliche Ordnung und die Zweckmäßigkeit alles Seins wider.Brocke führt uns diesen Prozess im didaktischen Sinne vor. Die reflektierte Betrachtung dieses Naturphänomens soll uns als Beispiel dienen, um Gottes Werk und Ordnung zu würdigen, was ganz in der Intention seiner Zeit steht.
2.3 sprachlichen Gestaltungsmittel in der Gedichtanalyse
Der Inhalt wird phonetisch in fließende jambische Verse (zwischen Dreihebern und Sechshebern) gebunden. Dies zeigt eine Abkehr von den vorbestimmten Versmaßen des Barock. Auch die Reimarten wechseln. Uns begegnen Paarreime z.B. (Z. 1-4), Kreuzreime z. B. (Z.5-8) und umschließende  z.B. (Z. 9-12). Zeile 19 und 25 bleiben gar ohne einen solchen. Zahlreiche Enjambements schaffen Sinneinheiten die den Leser die reflexive Naturbetrachtung nach vollziehen lassen. Die sprachliche Gestaltung insgesamt ergibt einen ruhigen fließenden Rhythmus, die gut zu der sachlich beschreibenden, aber auch preisenden und belehrendenHaltung des lyrischen Ichs passt. Auch auf der sprachlichen Ebene zeigt dieses Schreiben somit deutliche Bezüge zu den Besonderheiten der Epoche.
3. Schlussbetrachtung
Auf den heutigen Leser mag diese Art der Reflexion, trotz der gut verständlichen Sprache, befremdlich wirken. Dennoch bietet dieses Naturgedicht auch heute noch die Anregung, seine Wahrnehmung für Naturphänomene zu schärfen und darüber nachzudenken, was unsere Welt in ihrem Innersten zusammenhält.

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